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Geschichte des Glases Teil 1
Sie hat vor langer Zeit an verschiedenen Orten auf der
Erde gleichzeitig begonnen.
Beim ersten Vulkanausbruch ist durch Abschreckung von
Lava ein Gesteinsglas entstanden: Obsidian. Durch Meteoriteneinschläge auf
der Erdoberfläche ist das Gesteinmaterial aufgeschmolzen und zu glasigen
Geschossen umgewandelt worden:
Tektite und bei gewaltigen Gewittern, die sich über
sandigen Gebieten entluden, sind die Einschläge der Blitze als Fulgurite
sichtbar geblieben.
Diese natürlichen Gläser - vor allem Obsidian -
machten sich unsere Vorfahren in der Jungsteinzeit zunutze und fertigten
daraus Pfeil- und Speerspitzen, Schmucksteine und Amulette. Über den
Zeitpunkt der ersten Herstellung von Glas durch Menschenhand gibt es
verschiedene Angaben.
Man kann jedoch davon ausgehen, dass Glas eher entdeckt
als erfunden wurde; so als (ungewollter) glasiger Überzug von keramischen
Gegenständen beim Brennen oder als Nebeneffekt bei der Kupferverhüttung in
Form von Schlacken. Die ältesten Funde von glasigem Material stammen
jedenfalls aus Ägypten und sind auf die Zeit um 5000 v. Chr. datiert.
Um 1600 v. Chr. konnte Glas als eigenständiger
Werkstoff im ägyptisch-syrischen Raum zur Herstellung von Hohlgefässen
verwendet werden. Tonhaltiger Sand wurde zum Kern des künftigen Gefässes
geformt und mit Glas überschichtet. Entweder durch Eintauchen des Sandkerns
in die Glasschmelze oder kontinuierliches Umwickeln des Kerns mit hochviskosen
Glasfäden, die auch schon unterschiedliche Farbe aufweisen konnten, bildete
sich das Gefäss. Nach der langsamen Kühlung in einem Fach des Ofens wurde
der Sandkern entfernt und ein wertvolles Hohlgefäss war geschaffen.
Eine andere Technik der Hohlgefäss-Herstellung repräsentieren
Millefiori-Gläser. Diese sind aus scheibenförmigen Abschnitten ornamental
aufgebauter bunter Glasstäbe hergestellt, die entweder direkt untereinander
verschmolzen oder in eine neutrale Glasmasse eingelassen werden.
Schnupftabaksfläschchen werden heute noch in einigen bayerischen Glashütten
meist in Freizeitarbeit auf diese Art hergestellt.
Die Erfindung der Glasmacherpfeife, so wie wir sie heute
noch kennen, soll um die Zeitenwende an der syrisch-palästinensischen Küste
stattgefunden haben. Jetzt war es möglich, im Vergleich zur Sandkerntechnik,
sehr viel dünnwandigere Gefässe in einem Arbeitsgang herzustellen. Ausserdem
konnte man durch Benutzung von hölzernen Einblasformen individuelle Gefässe
herstellen, sowie erstmals Flachglas in Form von Butzenscheiben, die als geöffnete
und flachgeschleuderte Kugel oder durch Zusammendrücken einer geblasenen
Kugel hergestellt wurden.
Die Expansion des Römischen Kaiserreiches gab auch der
Glasherstellung wesentliche Impulse. In Vorderasien und römischen Regionen
Europas wurden Glashütten gegründet, die Gegenstände produzierten, die bald
zum Inventar vieler Haushalte gehörten. Der Handel mit Glas dehnte sich zu
dieser Zeit schon bis Skandinavien und Zentralafrika aus.
Mit dem Untergang des römischen Reiches gegen Ende des
4. Jhdt. n. Chr. gerieten auch hochentwickelte Techniken in Vergessenheit: Zum
Beispiel das Wissen um die vollständige Entfärbung der Glasmasse oder die
Herstellung von sehr dünnwandigen und extravagant gefärbten Gefässen, die
Belegung von Spiegeln oder der hohe Stand der Glasveredelung am Beispiel der
kostbaren Diatretgläser. Auch Zwischengoldgefässe gehörten zum Repertoire
der römischen Glasmanufakturen.
Das Fränkische Glas wurde hauptsächlich in alten römischen
Glasherstellungszentren im Rheinland, Frankreich und Belgien erzeugt. Im
Gegensatz zu vorher gekannten Formen tritt jetzt eine Reduzierung auf einfache
Trinkbecher und primitive Flaschen ein, ebenso werden diese Produkte nun aus
einer blasigen, nicht entfärbten und daher grünlichen Glasmasse hergestellt.
Um das Jahr 800 herum entstand so etwas wie ein
klerikales Glasmonopol, da sich die Kirchen zum Hauptkunden der Glashütten
entwickelten; hatte doch schon der bedeutende Kirchenlehrer Hrabanus Maurus
dem Glas das Odium des Sakralen gegeben: " Glas heisst es, weil es durch
seine Klarheit Einblicke freigibt".
Die Glashütten gingen in das Eigentum der Kirchen -
besonders Klöster - über und produzierten Messkelche, Kirchenleuchter, Ölschälchen
und mehr und mehr farbiges Glas für Kirchenfenster. Profanes Glas ist in
Europa bis ins 10. Jhdt. offensichtlich nur in so geringen Mengen hergestellt
worden, dass uns heute kaum Fundstücke aus dieser Zeit bekannt sind.
In direkter Anlehnung an orientalische
Glasherstellungs-Techniken begann ab dem 10. Jhdt. der Aufbau der berühmt
gewordenen venezianischen Glasindustrie. Die in Venedig hergestellten Gläser
waren von so hoher Qualität und dementsprechend begehrt und teuer, dass die
Glashütten ein Abwanderungsverbot für ihre Glasmacher erliessen, das bei
Zuwiderhandlung die Todesstrafe zur Folge hatte. Aus diesem Grund und aus Gründen
der Feuergefahr wurden im Jahre 1291 die Glashütten von Venedig auf die Insel
Murano verlegt, wo noch heute Glasprodukte, allerdings weniger anspruchsvolle
Artikel als damals, erzeugt werden.
Die Blütezeit des venezianischen Glases ging zu Ende,
als im 16. und 17. Jhdt. mehr und mehr Hütten entstanden, die Gläser "à
la façon de Venise" herstellen konnten, vor allem die berühmten Flügelkelche.
Parallel zu dieser Entwicklung vergrösserte sich ab dem
12. Jhdt. die Glasproduktion nördlich der Alpen. Durch den Aufschwung des
Kirchenbaus stieg der Bedarf an Glasscheiben in hohem Masse, so dass die
Holzvorräte in unmittelbarer Nähe der Klöster und Städte nicht mehr
ausreichten und die Glashütten weiter in die Wälder hineinverlegt wurden. Es
begann die Zeit des Waldglases. Waren nach einigen Jahren die Holzvorräte der
Gegend verbraucht, wanderten die Hütten weiter. Erste Klagen über Waldverwüstung
wurden schon im 14 Jhdt. laut. Die Trinkgefässe aus dieser Waldglaszeit sind
sehr einfach geformt, von Spassgefässen wie dem Kuttrolf einmal abgesehen.
Sie sind meist grün gefärbt, da die verwendeten Sande einen hohen Gehalt an
Eisenoxid besassen und die Pottasche oft unausgelaugt verwendet wurde.
In der Neuzeit, ab Mitte des 16. Jhdts., fand ein Übergang
von der Wald- zur Dorfglashütte statt, da den Glasmeistern gestattet wurde,
Wohn- und Gerätehäuser zu bauen und durch wohlüberlegte Waldrodungen Acker
und Wiesen anzulegen.
Überhaupt drang das Glas mehr und mehr in Gebiete der
aufstrebenden Wissenschaft und Technik ein: Galileo Galilei entwickelte 1529
ein Thermoskop, das als Vorläufer des 1550 in Venedig vorgestellten
Thermometers gilt. Ebenfalls zu dieser Zeit wurde die Lampenglasbläserei als
Glasnachbearbeitungsmethode zur Herstellung komplizierter Apparaturen durch
Charnock eingeführt.
1607 gründete man in Jamestown, Virginia, die erste
Glashütte Amerikas und 1635 die erste russische in Duchanino.
Johann Kunckel, 1630 - 1703, setzte einen Meilenstein
durch die Herausgabe seines Werkes "Ars vitraria experimentalis"
1679, einem ersten Ratgeber für Glastechniker. Er kommentierte, überprüfte
und ergänzte die Bearbeitung von Gemengesätzen, wie sie 1612 von dem
italienischen Priester Antonio Neri in Florenz veröffentlicht wurden. Das
Werk Kunckels wurde bis ins 19. Jhdt. hinein immer wieder neu aufgelegt. Berühmter
jedoch wurde Kunckel durch die Herstellung eines Rubinglases unter Verwendung
von Gold. Sein Rezept dazu hat er nie preisgegeben.
Noch zur Zeit der französischen Revolution veranlasste
der Nationalkonvent, in der Annahme, rotes Glas sei in jedem Fall durch Gold
gefärbt, dass rote Scheiben aus mittelalterlichen Kirchen in die Pariser Münze
zu liefern seien, damit aus ihnen wieder Gold gewonnen werden könnte.
1683 wird Böhmisches Kristallglas in Form von
Kreideglas erfunden, 1686 führt man Ätzungen mit Fluss-Säure durch und 1688
gelingt das Giess-Walzen von Spiegelglas.
1728 beobachtet Reaumur die Entglasung, 1742 schlägt
der schwedische Astronom Anders Celsius eine Temperaturmessung von 100 Graden
zwischen dem Kochpunkt des Wassers und dem Schmelzpunkt des Eises vor, M.W.
Lomonossov macht 1748 Versuchsschmelzen in Russland und ab 1764 wird
Natriumsulfat zur Glasherstellung genutzt.
Im 18. Jhdt. war das Königreich Grossbritannien führend
in der Produktion optischen Glases. Seit 1806 war das europäische Festland
durch die napoleonische Kontinentalsperre von der Lieferung solcher Gläser
abgeschnitten.
Der Schweizer Optiker Pierre Louis Guinand (1748 - 1824)
baute im Kloster Benediktbeuren eine optische Glasschmelze auf und lieferte
Linsen, die eine bis dahin nicht gekannte Homogenität besassen. Sein
Nachfolger wurde 1813 Joseph von Fraunhofer, der das auf Guinand zurückgehende
Rührverfahren weiter optimierte und Gläser erhielt, die es möglich machten,
erstmals Brechkraft und Streuvermögen exakt zu bestimmen. Fraunhofer starb im
Alter von 39 Jahren - er hatte mit 7 Elementen seine Schmelzversuche durchgeführt.
Justus von Liebig bekam 1824 in Giessen eine Professur für
Chemie übertragen. Er beherrschte die Kunst des Glasblasens und fertigte
seine gläsernen Laborgeräte selbst an.
"Die wunderbaren Eigenschaften des Glases kennt
jedermann, durchsichtig, hart, farblos, unverwüstlich durch Säuren und die
meisten Flüssigkeiten, in gewissen Temperaturen geschmeidiger als Wachs,
nimmt es in der Hand des Chemikers, vor der Flamme einer Öllampe, die Form
und die Gestalt aller zu seinen Versuchen dienenden Apparate an", schwärmte
Liebig.
Der englische Pfarrer Harcourt zusammen mit dem
bekannten Physiker Stokes legte 1834 den Grundstein für eine "Chemie des
Glases". Sie führten über die 7 Fraunhoferschen Glasoxide hinaus mehr
als 20 neue Elemente in ihre Schmelzen ein, mussten jedoch nach mehr als 35-jähriger
Arbeit erkennen, dass sie nicht in der Lage waren, Gläser herzustellen, die
es erlaubten, die Unterschiede in der Dispersion genau zu messen. Auch waren
viele Gläser hygroskopisch und nicht beständig.
Selbst Goethe bemühte sich um die wissenschaftliche
Glasschmelzerei.
1839 gab es die erste Schmelze von Quarz zu Kieselglas
und 1867 wird auf der Pariser Weltausstellung ein Glasschmelzofen von
Friedrich Siemens mit einer goldenen Medaille ausgezeichnet. Der Ofen besteht
aus einem Gasgenerator, einem Regenerator und dem eigentlichen Schmelzofen.
Bei diesem Ofensystem wurde erstmals nicht nur die Verbrennungsluft, sondern
auch das Verbrennungsgas durch die Abwärme vorgeheizt. Die Weiterentwicklung
dieses Systems wurde zum kontinuierlich arbeitenden Wannenofen.
Es war weiterhin die Zeit von massgeblichen Erfindungen
1870 Periodisches System der Elemente durch Mendelejew
und Mayer
1876 Telefon / Bell
1879 Kohlenfadenlampe / Edison
in der als weiterer Meilenstein in der Entwicklung des
technischen und optischen Glases 1884 die Gründung des Glastechnischen
Laboratoriums Schott und Genossen, später Jenaer Glaswerk Schott &
Gen. stattfand.
Ernst Abbé, Professor in Jena und Direktor der
Sternwarte, erarbeitete die theoretischen Grundlagen der Lichtbrechung und
-beugung und setzte sie in der Werkstatt von Carl Zeiss durch Fortentwicklung
der Zeiss'schen Mikroskope um.
Die Grenze der Verbesserungsmöglichkeiten stellte
jedoch immer wieder die ungenügende Qualität der optischen Gläser dar, die
durch "pröbeln" beim Schleifen und Polieren ausgesucht werden
musste.
Otto Schott (1851 - 1935), aus einer lothringischen
Glasmacherfamilie stammend, Chemiker und Glastechniker, wollte der
"Chemie der feurigen Flüsse" auf die Spur kommen und ging der Abhängigkeit
der physikalischen Eigenschaften des Glases von seiner Zusammensetzung mit
wissenschaftlichen Methoden nach. Er sollte zum Begründer der modernen
Glasforschung werden: seine neuen technischen Verfahren zur Glasherstellung
und noch mehr die systematische Erforschung bildeten die Grundlagen für die
Herstellung von Spezialgläsern für Haushalt, Wissenschaft und Industrie.
Otto Schott konnte für Ernst Abbé und Carl Zeiss die
gewünschten optischen Gläser in bisher nicht gekannter Qualität herstellen.
Darüberhinaus gelang ihm "im gleichen Atemzug" die Erfindung eines
völlig neuartigen Thermometerglases ohne Nullpunktdepression und eines wärmefesten
Glases, das nicht zuletzt durch die Erfindung des Gasglühlichtes durch Carl
Freiherr Auer von Welsbach 1892 ein grosser wirtschaftlicher Erfolg wurde.
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